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jourfixe

deimlKrimhild Becker | ohne Titel | 2001 | Beton, Fotografie, Glas, Neonleuchten

jour fixe 2012
Samstag, den 23. Juni 2012

›erinnern‹


Programm

Haus für die Kunst (1)

13.30 Uhr
Begrüßungen
Erwin Wortelkamp, Gastgeber
Walter Schumacher, Staatssekretär des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur

tal tönen (Teil 1), Konzert | Asya Fateyeva, Yuriy Khvostov
Einführung | Professor Dr. Michael Luig, Hochschule für Musik, Köln

erinnern(des) sehen
Ausstellung mit Werken von Edgar Hofschen, Hullmann/Kocheisen, Thomas Lehnerer, Oswald Oberhuber, August Sander, Tilo Schulz, u.a.
Einführung | Jörg van den Berg, Columbus Art Foundation, Ravensburg


im Tal (1)

14.30 Uhr
Frank Herzog: ›Ratibor‹
Enthüllung und Einweihung der neuen Skulptur im Tal.

tal tönen (Teil 2), Konzert | Asya Fateyeva, Yuriy Khvostov


Haus für die Kunst (2)

Kaffee

16.00 Uhr
Aby Warburgs Mnemosyne-Atlas als Werkzeug der Rekonstruktion vergangener Zeit
Vortrag | Professorin Dr. Franziska Uhlig, Kunsthochschule Weißensee


im Tal (2)

17.00 Uhr
Krimhild Becker, Heinz Breloh, Thomas Lehnerer, Haus für August Sander, u.a.
Talgang mit Erwin Wortelkamp und Jörg van den Berg

tal tönen (Teil 3), Konzert | Asya Fateyeva, Yuriy Khvostov


Haus für die Kunst | Garten

18.30 Uhr
Groß muss er sein und schwarz
Lesung | Ulla Wortelkamp

tal tönen (Teil 4), Konzert | Asya Fateyeva, Yuriy Khvostov

20.00 Uhr
ein Abend mit Wild, Wein und mehr



Es gibt Grundkategorien des Mensch-Seins, die es immer wieder von neuem zu befragen gilt. Die Fähigkeit und Notwendigkeit des Erinnerns zählt dazu. Dies gilt für den Einzelnen ebenso wie für die Gemeinschaft. Der jour fixe 2012, dem Jahr, in dem sich das Dorf Hassel-bach seiner Gründung vor 750 Jahren erinnert, widmet sich diesem Thema ausgehend von der Erinnerung an einen verstorbenen 'Dorfbewohner', den Hund Ratibor. Zu diesem Anlass wird in der Anlage ›im Tal‹ eine neue Skulptur enthüllt, ein von Frank Herzog geschaffenes Grab- bzw. Denkmal für eben jenen Hund, der in den 1970er und -80er Jahren fester Bestandteil des Dorflebens war. Am frühen Abend wird Ulla Wortelkamp aus ihrem, ebenfalls von Frank Herzog illustrierten Buch ›Gross muss er sein und schwarz‹ Geschichten von Ratibor vorlesen. Das Erzählen und das Aufschreiben als Grundlagen für Erinnerung zeigen sich in diesem kleinen Buch in ihrer gerade heute nicht verzichtbaren Relevanz. Dies scheint bemerkenswert in einer Zeit, in der wir einen immer rasanteren Prozess der Auslagerung von Erinnerung in die elektronischen Medien als externe Speicher erleben. Ein Prozess, den Jan Assmann bereits 1999 als eine kulturelle Revolution beschrieb, die nur mit der Erfindung des Buchdrucks und zuvor der Schrift vergleichbar wäre.

Erinnern (und vergessen) sind aber auch Grundkategorien für die Produktion und Rezeption von Kunstwerken. Die Fähigkeit zu erinnern ist eine notwendige Kategorie sowohl für das künstlerische Arbeiten wie für das Sehen (nicht nur) der Kunst. Der Ausstellung ›erinnern(des) sehen‹ im Haus für die Kunst liegt ein Verständnis von Erinnern zu Grunde, dass dieses – im Sinne von Gottfried Boehm – nicht auf einen nach hinten gewendeten "Prozess der Ordnung" reduziert, sondern es als einen aktiven nach vorne gerichteten "Vorgang der Artikulation" begreift.

In diesen Kontext fügt sich Franziska Uhligs Vortrag über ein für die Bildwissenschaft immer aktueller werdendes "Objekt", nämlich dem ›Mnemosyne-Atlas‹ von Aby Warburg. Warburg gilt heute als einer der wichtigsten Anreger für die Geisteswissenschaften am ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. Sein ›Mnemosyne-Atlas‹ war ein Bilderatlas, dabei zunächst ein Arbeitsmittel zur Rekonstruktion von Nachbildern der Antike in der Renaissance. Seine Aktualität gewinnt der Atlas aber vor allem als eine Entwurfsstrategie, die zu fassen versucht, wie Vergangenes (hier vor allem Bilder) anschlussfähig wird für eine Gegenwart.

In der von Michael Luig konzipierten Reihe ›tal tönen‹ trifft aktuelle Musik auf aktuelle Kunst. Das ›Tal‹, der jeweilige Inhalt der beiden Ausstellungshäuser bzw. das Thema des jour fixe geben gewissermaßen den Grundton, auf den sich die Musiker beziehen. Folgerichtig thematisieren die von der Saxophonistin Asya Fateyeva und dem Oboisten Yuriy Khvostov zur Aufführung gebrachten Stücke ›Erinnerung‹. Hier sind dies u.a. die ›Metamorphosen nach Ovid (für Oboe solo)‹ von Benjamin Britten, ›Mysterious morning III (für Sopran Saxophon)‹ von Fuminori Tanada und zwei Sätze aus der ›Oboen-Sonate‹ von Heinz Holliger. Die beiden Solisten werden mehrfach, drinnen wie draußen, immer aber mit kurzen Stücken von nur wenigen Minuten Dauer in Aktion treten.

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