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20.

Joachim Bandau
*1936 in Köln
lebt in Köln und Aachen



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bandau


Joachim Bandau | Ohne Titel | 1997

Höhe 54 cm
Länge der Ausläufer | 196 / 300 / 240 / 250 cm
Baustahl ST 37, massiv


Joachim Bandau | Ohne Titel | 1997

Höhe 89 cm
Länge der Ausläufer | 82 / 88 / 91 / 88 cm
Baustahl ST 37, massiv
(siehe unten)

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Joachim Bandau plazierte zwei seiner Arbeiten im Norden des ›Tals‹. Fünf geometrisch geschnittene Elemente aus massivem Baustahl bilden jeweils eine pyramidale Struktur aus. Beide Werke sind von geringer Höhe. Mit 89 cm hat die höhere, mit ihrem kleineren Radius kompakter wirkende Arbeit nach menschlichem Maß etwa Hüfthöhe. Die niedrigere, jedoch vom Radius her größere Arbeit umspielt mit 54 cm die Kniehöhe eines Betrachters. Ihren Ort haben diese Arbeiten links und rechts des Weges, der als alter Gemeindeweg Hasselbach und Werkhausen miteinander verbindet. Das Gelände ist hier offen. Der schweifende Blick eines Spaziergängers kann die 60 m voneinander entfernt situierten Werke bereits vom Weg her, und damit aus der Distanz, ausmachen. Näher heranzutreten, fordert von demjenigen, der dieser nördlichen Wegführung folgt, zu entscheiden, welcher der beiden Arbeiten er sich zunächst zuwendet. Der in der Talsenke liegenden niedrigeren, rechts des Weges, oder der etwas höheren, kompakteren Pyramidalstruktur links. Ihr Standort ist der sanft ansteigende Übergang von Talsenke und Hügelzug. Sich vom Weg her kommend auf eine Arbeit hinzuorientieren heißt, ihr Pendant aus dem Blick zu verlieren und sie isoliert zu betrachten. Erst nachdem man ihren Standort erreicht hat, läßt sich zurückblickend eine Perspektive auf beide Arbeiten gewinnen.
Ganz anderen Zugang erfährt derjenige, der vom östlichen Hang des Geländes auf die Wiesen des ›Tals‹ hinunterschaut. Solche Perspektive kann beide Arbeiten zugleich in den Blick nehmen, ihre Fernwirkung spielen lassen. Von hier aus scheinen die pyramidalen Strukturen der Bodenplastiken eingelagert in die sanft ansteigenden Wiesen. Sie tendieren dazu, in die Form der Landschaft einzugehen. Nichtsdestotrotz markieren sie deutlich ihre Orte im ausgebreitet vor dem Schauenden liegenden Gelände.
Mit der Fernwirkung zeigt sich eine phänomenale Ambivalenz der Bodenplastiken: Sie nehmen Teil an den Formungen der Landschaft und grenzen sich zugleich aus dieser Landschaft aus. In ihren Dimensionen nähern sich die Arbeiten dem Boden an. Als pyramidale Strukturen ragen sie zwar aus der Wiese auf, binden aber diese Vertikalität mit ihren seitlich ausgreifenden Armen an die Horizontale des Wiesengrundes zurück. Ihre geometrische Ordnung, die sich dem naturhaften Geländeverlauf der Wiesen entgegensetzt, verwischt in der Fernsicht. Das rostige Rot- Braun des Stahls grenzt jedoch auch aus der Ferne die pyramidalen Strukturen der Bodenplastiken aus dem saftigen Grün der Feuchtwiesen aus. Eingelagert in die Landschaft zeichnen sie sich von ihr ab und beanspruchen die Aufmerksamkeit des Schauenden.

Das ›Tal‹ verändert sich mit den Jahreszeiten. Den Ausgangspunkt hier stiftet ein herbstlicher Blick. Gemähtes Gras im Sommer, die Farben der jahreszeitlichen Blüten ebenso wie der Schnee des Winters oder das stumpfe Ocker abgetauter Wiesen im Frühjahr, schaffen je eigene Bedingungen. Bemerkenswert ist, daß es sich bei den assoziierten Bedingungen durchweg um Zustände der Wiese, also des Bodens unter den Werken ebenso wie unter den Füßen des Schauenden handelt. Der landschaftliche Blick perspektiviert sich in der Werkstruktur. In der Nahsicht, vor den Arbeiten stehend, defi niert ihre geringe Höhe den werkorientierten Blick als einen abwärts gerichteten, der immer auch den Erdgrund mitsehen läßt. Jeder Versuch, die Arbeiten als ein vertikales Gegenüber zu erfassen, sich ihnen von ihren Seiten her betrachtend zu nähern, zwingt den Betrachter in die Hockstellung. Lohn solcher Bemühungen sind zwar aufschlußreiche, aber rudimentäre Detailerfassungen. Der Werkkontext erschließt sich im zum Boden gerichteten Blick auf die Stahlplastiken.

Die Anordnung ihrer je fünf massiven Stahlelemente ist vergleichbar. Vier radial ausgreifende Werkstücke bilden eine zur Mitte hin aufsteigende Pyramidalstruktur. Die Basislängen der Radialelemente variieren. In ihrem Kreuzungspunkt sind sie ineinander verzahnt, horizontal und vertikal geführte Aussparungen lassen die Teile paßgenau ineinandergreifen. Ein massiver Hexaeder verschließt, exakt in das Zentrum der radialen Elemente eingelassen, die Schnittstellen dieses Ineinandergreifens dem von oben gerichteten Blick. Wie die einzelnen Elemente miteinander verzahnt sind, läßt sich nur indirekt über die seitlich sichtbaren Fugen nachvollziehen. Demgegenüber offensichtlich weist der im Zentrum lastende Hexaeder die Statik der Pyramidalstrukturen aus.
Das Gewicht der massiven Stahlelemente macht sie für den Betrachter faktisch unverrückbar. Obwohl gerade die Konstruktion aus einzelnen Elementen eine Umordnung der Teile zu implizieren vermag, verweigern sich die Arbeiten auch in ihrer Anschauung einem solchen Zugriff. Paßgenau ineinandergefügt und zentriert verbinden sich die massiven Stahlelemente zu einem in sich ruhenden plastischen Werk. Ein Betrachter kann sich dem Zentrum dieses Werkes annähern, wird aber von dort über die radial ausgreifenden Arme wieder aus dem Zentrum verwiesen.

Den sich exzentrisch zum Boden neigenden Radialen folgend, wird der werkkonzentrierte Blick des Betrachters abgelenkt: In den Blick kommt das offene Wiesengelände des ›Tals‹. Die Nahsicht der Arbeiten gibt Aufschluß über ihre formale Struktur. Indem man diese jedoch wahrnimmt, weisen die Bodenplastiken den Blick des Betrachters über ihren Ort hinaus. Ihre Werkstruktur überführt den Blick des Betrachters in die Landschaft, aus der er sich, aufmerksam geworden, den Arbeiten annäherte.

Beate Florenz

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