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bildErwin Wortelkamp, Partizipation, 1971, Haus für die Kunst, Hasselbach, Foto: Werner J. Hannappel

 

Samstag, 18. November 2017

Finissage & tal tönen

18:30 im Haus für die Kunst, Hasselbach

19:15 im Depositum, Weyerbusch

Finissage der Ausstellungen
PARTIZIPATION
Gespräch mit Erwin Wortelkamp

Die Ausstellung ›Partizipation – hier und dort VIII‹ zeigt Werke des Bildhauers Erwin Wortelkamp aus den bewegten Jahren 1966–1972 und im Rückblick auf diese Werkgruppen entstandene Papierarbeiten aus dem Jahr 2016. Farbigen Eisenarbeiten von 1966/67 folgen 1968 solche, die auf Farbe verzichten und formal strenger wie auch stiller sind. Die geschlossenen wie offenen Volumina aus Eisen wechseln, lassen sich von runden Elementen durchdringen und laden je nach Größe zum spielerischen Umgang und zur Veränderung ein. Diese zunächst materialgewichtigen Arbeiten wurden alsbald in Aluminium realisiert und somit in der Handhabung leichter. Doch aus dem ›Spiel wurde Ernst‹, indem das ›politische Bewusstsein‹ eine ›gesellschaftliche Relevanz‹ suchte.

tal tönen 09
Beate Zelinsky & David Smeyers
Kölner ensemble 20/21:
Beate Zelinsky, Klarinette | David Smeyers, Klarinette | Lea Wirtz, Harfe
Arturo E. Uribe Portugal, Schlagzeug | Constantin Herzog, Kontrabass

Das Kölner ensemble 20/21 wird zur Finissage kammermusikalische Werke darbieten, die zeitlich in Korrespondenz zu den Werken der Ausstellung Partizipation stehen.
In jenen Jahren wurde der Musikbegriff stark erweitert, die musikalische Sprache immer vielfältiger. Dazu überließen Komponisten den Interpreten mehr und mehr Freiheiten, es kam zu einer immer stärkeren Partizipation bei der Gestaltung des musikalischen Kunstwerks, bis hin zur Infragestellung des traditionellen Werkbegriffs.

Musik Steve Reich (*1936)
CLAPPING MUSIC (1972)

Hans-Joachim Hespos (*1938)
SPLASH (1969) für Kontrabaß & Percussion

Giacinto Scelsi (1905–1988)
OKANAGON (1968) für Harfe, Kontrabaß & Tamtam

R. Murray Schafer (*1933)
MINIMUSIC (1969)

20:15 im Haus für die Kunst, Hasselbach– Ausklang bei Umtrunk & Vesper

 

Wir bitten für die Abendveranstaltung um eine Kostenbeteiligung von 15 €.

Die zu den Ausstellungen erschienene Publikation ›Erwin Wortelkamp – Partizipation/Band 8‹ der Reihe ›hier und dort‹ (192 Seiten) dokumentiert die Ausstellungen und enthält erstmals die Aktionen und Handlungsmodelle des Künstlers E.W. von 1969 bis 1973
Zu lesen sind der Beitrag »Rahmen und Durchdringung« von Prof. Klaus Honnef und ein Interview des Künstlers Tilo Schulz mit Erwin Wortelkamp.
Die Publikation ist an diesem Abend erhältlich oder im Buchhandel unter der ISBN Nummer 978-3-89770-501-2, Salon Verlag Köln, zu erwerben.

 

Ausstellungsorte

Depositum, im Tal – Stiftung Wortelkamp
Im Bruch 3, 57635 Weyerbusch

Haus für die Kunst, im Tal – Stiftung Wortelkamp
Schulstraße 18, 57635 Hasselbach
Ausstellungsdauer: noch bis 26. November 2016
Die Ausstellungen sind nur nach telefonischer Vereinbarung geöffnet: Tel +49 2686.604

 

EINLADUNG (PDF Download)

 

Finissage

Zur Finissage der Ausstellungen Partizipation von Erwin Wortelkamp wird der Künstler sich zu den frühen Arbeiten der sechziger Jahre äußern und diese in die Zusammenhänge künstlerischer Interessen der damaligen Zeit stellen – angetrieben vom gesellschaftspolitischen Veränderungswillen Vieler.

Zu sehen sind zunächst die sehr formal orientierten Arbeiten in Eisen, mit und ohne Farbe, so wie die anfänglich kleinen, addier- und veränderbaren Objekte aus Aluminium, die zunehmend ihr Wirkungsfeld im öffentlichen Umraum suchten, ergänzt und intensiviert durch zahlreiche Straßenaktionen.

 

tal tönen 09

Das Konzert tal tönen 09 wird gestaltet von dem Kölner Ensemble 20/21, Beate Zelinsky und David Smeyers.

Beide kündigen das Konzert wie folgt an:

»Die gesellschaftlichen Veränderungen der 1960er und 1970er Jahre spiegeln sich in unterschiedlicher Weise im kompositorischen Ansatz der damaligen Musik wieder. Der Freiheitsbegriff spielte auch hier eine immer bedeutsamere Rolle, Musik sollte demokratischer werden, hierarchische Verhältnisse wurden in Frage gestellt. Die Interpreten übernahmen durch Überlassung von Gestaltungsspielräumen gemeinsam mit den Komponisten die Verantwortung für das Werk. Durch außereuropäische Einflüsse gab es starke Impulse, vor allem im klanglichen Bereich und in der rhythmischen Organisation der Werke. Durch Erweiterung des Materialbegriffs entstand eine große Vielfalt an Möglichkeiten und Stilen, in die die vier Werke unseres Programms einen kleinen Einblick geben.

Für den Amerikaner Steve Reich hatte eine Westafrikareise im Sommer 1970 ästhetische Konsequenzen für seinen Umgang mit Musik. Mit ›Drumming‹ komponierte er daraufhin im Jahr 1971 unter dem Einfluss der afrikanischen Polyrhythmik das Schlüsselwerk der sogenannten ›Minimal Music‹, zu der auch ›Clapping Music‹ (1972), zusätzlich inspiriert vom Besuch einer Flamenco-­Bar nach einem Konzert auf einer Europa-Tournee in Brüssel, gehört. Durch in größter Konsequenz durchgeführte minimale Verschiebungen ergibt sich eine sich ständig wandelnde rhythmische Struktur, obwohl das Material immer exakt gleich bleibt.

Für den in Delmenhorst lebenden Komponisten Hans Joachim Hespos ist Kunst immer auch »Widerstand gegen eine Welt der Fantasielosigkeit«. Jegliche Art von Konformität ist ihm fremd. Seine Partituren mit fantasiereichen Wort­schöpfungen als Spielanweisungen und vielen zusätzlich zu den Noten verwendeten individuellen Zeichen fordern alle Interpreten zu musikalischen Extremsituationen heraus. Es ist eine Musik mit strengen Regeln, die gleichzeitig aber auch viel Freiraum für persönliche Gestaltungskraft lässt. Wer sich als Zuhörer auf die Musik von Hespos einlässt, kann neue Klangperspektiven und damit auch einen deutlich erweiterten Empfindungsbereich entdecken.

Für den Italiener Giacinto Scelsi sollte bei der Interpretation immer die für ihn wesentliche Idee im Vordergrund stehen, nämlich »die Musik als Energie bzw. als Leben zu begreifen«. Seine eigenwilligen Kompositionen setzen sich mit dem Inneren des Klangs auseinander, wofür er sehr stark mit mikrotonalen Elementen, also sehr kleinen Tonabständen, arbeitete. Seine Beschäftigung mit östlichen Philosophien, besonders aus Indien, hatte großen Einfluss auf seine Kompositionen. Scelsis eigener Untertitel beschreibt ›Okanagon‹ als »Herzschlag der Erde«, es ist Musik aus Holz, Stein, Feuer und Eisen, mysteriös und kraftvoll.

Der kanadische Komponist R. Murray Schafer bezeichnet sich selbst als Klangforscher. Ein Ziel seiner stark musikpädagogisch geprägten Arbeit ist, Menschen dazu zu bringen, »Laute, insbesondere diejenigen der Umwelt, kritischer und feiner wahrzunehmen«. Seine ›Minimusic‹ soll in erster Linie eine Improvisationsübung und Hörschulung sein, wobei ihm die gegenseitige Wahrnehmung der Interpreten am wichtigsten ist. Die Partitur ist über große Strecken graphisch notiert, aleatorische Elemente organisieren die klanglichen Ereignisse und den Gesamtablauf. Als zentrales, durchaus mehrmals wiederkehrendes Element, das die Musiker für einen kurzen Zeitraum zusammenbringt, benutzt er die ›Zwitschermaschine‹ von Paul Klee.«


Beate Zelinsky

 

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